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Fertilitätssteigerung mit Chinesische Kräuter bei einer 45jährigen Frau

Inga Heese

Kurzdarstellung

Fortgeschrittenes Alter spielt für den Erfolg einer Schwangerschaft eine bedeutende Rolle. Im folgenden Fallbeispiel verbesserte die Verabreichung chinesischer Kräuter die Funktionen der Eierstöcke und der Gebärmutter einer 45jährigen Frau, die auf zwei IVF-Zyklen (In-Vitro-Fertilisation) nicht gut ansprach. Ihr wurde nahe gelegt, sich bei der kommenden IVF für gespendete Eizellen zu entscheiden. Nach fünfmonatiger Einnahme chinesischer Kräuter empfing sie auf natürlichem Wege und befindet sich nun glücklich im zweiten Trimenon.

Einführung

Fortgeschrittenes Alter spielt für den Erfolg einer Schwangerschaft eine bedeutende Rolle. Schreitet eine Frau in ihrer reproduktiven Phase voran, lässt ihr Vorrat an Eizellen nach, was sich an einer 50%igen Abnahme der Fertilitätsrate und einem um das zwei-bis dreifache erhöhtem Risiko einer Fehlgeburt von Schwangerschaft anstrebenden Frauen jenseits der vierzig zeigt. Die meisten Versuche von künstlichen Befruchtungen bei Frauen, die 45 Jahre oder älter waren und ihre eigenen Eizellen verwendeten, führten zu Todgeburten, wobei spontane Schwangerschaften am häufigsten bei den Frauen zu verzeichnen waren, die sechs bis elf frühere Entbindungen aufzuweisen hatten.
Allgemeine Ursachen für eine stark abnehmende Konzeptionsrate von über 40-jährigen Frauen, die mit ihren eigenen Eizellen schwanger werden wollen, sind: Nachlassende Qualität und Quantität der Eizellen mit schlechten endokrinen Werten, wie einem hohen Spiegel an FSH (follikelstimulierendes Hormon) oder einer niedrigen Östrogen-Produktion und seltenere monatliche Ovulationen. Des Weiteren zählen dazu reduzierte Zervixschleimsekretion und eine geringere Durchblutung von Ovarien und Uterus. Die erhöhte Zahl an Fehlgeburten liegt u.a. an der hohen Rate von embryonalen Chromosomenaberrationen aufgrund der schlechten Qualität der Eizellen.

Alter der Frau, Ablauf einer IVF und Erfolg einer Schwangerschaft

Während die FSH-Werte den "ovariellen Vorrat" bis zu einem gewissen Grad anzeigen (mit oft erhöhtem FSH-Spiegel bei älteren Frauen), ist der negative Einfluss des Alters auch bei Frauen mit normalen FSH-Werten relevant. Bei künstlicher Befruchtung wie z.B. IVF können Frauen mit einem niedrigen FSH-Wert dennoch eine schlechte ovarielle Antwort auf die Stimulation aufweisen. Wenn die Frau FSH injiziert bekommt, ist die Reaktion der Ovarien oft abhängig von der Anzahl und Qualität der Eizellen und spiegelt somit auch die relativen Chancen für den Erfolg der künstlichen Befruchtung. Frauen im Alter von 40 bis 42 haben eine sehr schlechte Aussicht, falls weniger als fünf Eizellen freigesetzt werden. Somit werden die meisten IVF-Zyklen abgesagt, sollte die Stimulation nicht mindestens in ein Minimum von drei reifen oder nahezu reifen (16-20 mm) Follikeln münden, wie in unten aufgeführtem Fall.
Wie einige Untersuchungen zeigen, ist für den Erfolg einer Schwangerschaft eher das Alter der Eizelle als das Alter der uterinen Umgebung ausschlaggebend", Somit wird älteren Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, oft geraten, ein IVF-Zyklus mit gespendeten Eizellen in Betracht zu ziehen. Die Empfänglichkeit der Gebärmutter ist jedoch für den Erfolg einer Schwangerschaft bedeuten. Eine geringe Empfänglichkeit der Gebärmutter vermag die Erfolgsrate eines Zyklus mit gespendeten Eizellen bei Frauen, die 45 Jahre oder älter sind, zu senken.

Chinesische Medizin und Fortpflanzung

Chinesische Medizin ist imstande, die ovarielle und uterine Funktion sowie andere Fertilitätszeichen effektiv zu fördern und optimiert damit die Chancen einer Empfängnis und Schwangerschaft.
Auch wenn sie nicht die Zeit zurückdrehen und die Qualität der Eizellen bei älteren Frauen steigern kann, so kann sie doch das Wachstum des dominanten Follikels innerhalb eines Eierstocks, der durch die Behandlung besser "arbeitet", fördern. Die Umgebung, in der eine Eizelle heranreift, wird somit gestärkt und dementsprechend die Reifung und Qualität beeinflusst. Chinesische Medizin verbessert auch die Dicke der Gebärmutterschleimhaut (damit Aufnahmefähigkeit des Endometriums für ein Embryo) und erhöht die Möglichkeiten einer erfolgreichen Empfängnis und Schwangerschaft.
Sowohl Untersuchungen als auch klinische Erfahrung haben gezeigt, dass chinesische Kräuter im Verbund mit Akupunktur imstande sind, die Durchblutung der Ovarien und des Uterus zu steigern, die endokrinen Hormone FSH und LH (luteinisierendes Hormon) zu regulieren, den Östrogen und Progesteron-Spiegel zu erhöhen und die Follikel und Gelbkörperphase beim Menstruationszyklus zu normalisieren.

Die Fallstudie

Der folgende Fall ist insofern interessant, als dass die Patientin (P., 45 Jahre alt) zwei erfolglose IVF-Zyklen zur Empfängniseinleitung  mit einer für ihr Alter zu erwartenden schlechten Antwort der Ovarien  hinter sich hatte, und ihr demnach geraten wurde, einen weiteren Versuch mit gespendeten Eizellen zu unternehmen oder die Behandlung insgesamt abzubrechen. Ausgehend von den Aufzeichnungen zu ihrer basalen Körpertemperatur (siehe Tab. 1) konnte ich ersehen, dass ihre ovariellen Funktionen beeinträchtigt waren.
Ich willigte ein, sie für sechs Monate zu behandeln und zu sehen, ob wir die Funktionen der Ovarien verbessern könnten, während sie sich nach Spender-Eizellen umschaute.
P. antwortete auf die Kräuter mit einer umgehenden ovariellen und menstruellen Verbesserung und wurde schwanger, nachdem sie für fünf Monate täglich die Kräuter zu sich genommen hatte. Sie hat weiterhin während der ersten 16 Wochen der Schwangerschaft Kräuter verabreicht bekommen, um die Progesteron-Produktion zu unterstützen und die Schwangerschaft zu erhalten. Nun befindet sie sich mit einem anscheinend chromosomal gesunden Baby erfolgreich im zweiten Trimenon (während der 12. Woche mit einer Chorionbiopsie untersucht, was die meisten üblichen Chromosomenanomalien wie Trisomie 13, 18 und 21 erkennt).

Hintergrundinformationen zur Patientin

Ursprünglich suchte P. mich auf, um für ihre anstehende zweite IVF-Behandlung Akupunktur als Ergänzung zu erhalten. Drei Monate vorher hatte sie bereits einen IVF-Versuch, dessen Ergebnis vier heranreifende Follikel mit drei sich in drei Tage alte Embryos teilenden Eizellen war. Diese wurden eingepflanzt, resultierten aber nicht in eine Schwangerschaft.
Nachdem sie mich mit vorhergehenden Aufzeichnungen ihrer basalen Körpertemperatur ausstattete, konnte ich den unsteten Verlauf sowohl ihrer Follikel als auch ihrer Gelbkörperphase erkennen, der anzeigte, dass ihre ovariellen Funktionen beeinträchtigt waren. Ich empfahl ihr die Einnahme von chinesischen Kräutern in Kombination mit Akupunktur, um ihre ovarielle Funktion während der zweiten IVF zu unterstützen. P. fühlte sich jedoch mit dem Gedanken nicht wohl, chinesische Kräuter einzunehmen, und entschied sich, nur Akupunktur zu bekommen.
Ihre zweite IVF resultierte jedoch trotz eines FSH-Wertes von acht in einer sehr schlechten ovariellen Reaktion. Nur zwei Follikel reiften ausreichend heran. Es war ungewiss, ob sie Eizellen enthielten. Die Klinik riet ihr, den Zyklus abzubrechen oder die Behandlung mit einer Intrauterinen Insemination fortzusetzen. P. und ihr Mann entschieden sich für Letztere, doch wiederum trat keine Empfängnis ein.
Bei einem daran anschliessendem Termin wurde ihnen eröffnet, dass der ovarielle Status von P. zu niedrig sei, um einen weiteren Versuch mit ihren eigenen Eizellen zu unternehmen. Ihnen wurde sehr dazu angeraten, die Möglichkeit gespendeter Eizellen in Betracht zu ziehen.
Daraufhin kehrte P. zu mir zurück und wir kamen darin überein, dieses Mal einen Versuch mit chinesischen Kräutern zu unternehmen, um ihre ovarielle Funktion zu verbessern. Wir verabredeten einen Behandlungszeitraum von sechs Monaten, während dem sie sich nach Spendereizellen umschauten.

Untersuchung und Diagnose nach TCM

Nun untersuchte ich ihren Menstruationszyklus genauer und veranlasste sie, Aufzeichnungen über ihre basale Körpertemperatur zu führen, so dass ich ihre ovarielle Funktion genauer abschätzen konnte.
P. hatte einen regelmässigen Menstruationszyklus von 28 bis 30 Tagen, ihre Blutung hielt für sieben Tage an, war sehr stark mit hellrotem Blut und erhielt grosse Klumpen. Sie hatte Dysmenorrhoe bei einem Schmerzempfinden von sechs auf einer 10-er-Skala. Für fünf bis sieben Tage litt sie an PMS mit Brustspannungen, Blähungen, Rückenschmerzen, Stimmungsschwankungen und Verstopfung. Von der Ovulation bis zum Beginn der Blutung fühlte sie sich wärmer. Um die Zeit des Eisprungs herum fühlte sie ein leichtes Stechen ihrer Eileiter und beobachtete insgesamt weniger Ovulationsschleim im Vergleich zu ihrer Jugend.

Wichtige Fertilitätswerte im Vorfeld der Behandlung
   
- Zuletzt gemessener FSH-Wert von acht.
- Abnehmende ovarielle Antwort während zweier IVF-Zyklen.
- Der Kurvenverlauf der basalen Körpertemperatur vor Verabreichung der chinesischen Kräuter zeigt eine unstabile Follikel und Gelbkörperphase mit einem leichten Anstieg der Temperatur um den Eisprung (siehe Tab. 1).
- Verringerter Ovulationsschleim.

Andere klinischrelevante Informationen

- Körpertemperatur: Kann sehr kalte Füsse bekommen, fühlt sich aber vom Eisprung bis zum Beginn der Menstruation sehr heiss mit erhöhtem Durst.
- Hautbeschwerden: Leichte Rosazea und Seborrhoisches Ekzem.
- Stuhlgang: Abwechselnd Verstopfung und Durchfall mit Unterleibsschmerzen  besonders bei Stress.
- Zunge: Leichter gelber Zungenbelag.
- Puls: Dünn und leicht gespannt.

Muster-Differenzierung nach TCM

Nach gründlicher Untersuchung sowohl ihrer Anzeichen und Symptome als auch ihrer Werte zur basalen Körpertemperatur traf ich folgende Muster-Differenzierung:

- Nieren-Yin-Schwäche mit Blut-Hitze.
- Nieren-Yang-Schwäche mit Qi und Blut-Stase in den Leitbahnen von Leber und Chong Mai.

Erklärung zur TCM-Pathologie

Im Fall von P. war die natürliche Abnahme von Nieren-Yin und -Yang aufgrund des Alters im Kurvenverlauf ihrer basalen Körpertemperatur zu ersehen und mündete in die schlechte Antwort ihrer Ovarien während der IVF-Zyklen. Die Instabilität ihrer Follikelphase (Yin-Phase) deutete auf ein unstabiles Nieren-Yin im Verbund mit etwas Hitze hin. Diese Yin-Leere-Hitze kann man auch an den Werten zur Mitte der Follikelphase erkennen (siehe Tab. 1). Andere Symptome, die aus dem Yin-Mangel mit Blut-Hitze resultieren, sind über ihren gesamten Zyklus hinweg ersichtlich, erkennbar an dem nachgelassenen Zervixschleim, dem Hitzegefühl, den Hautbeschwerden, der Verstopfung, der starken Periode und dem Zungenbelag.
Da das Nieren-Yin die Grundlage für die Eizellreifung bietet, war ihre Nieren-Yin-Schwäche sehr wahrscheinlich die Ursache ihrer schlechten ovariellen Antwort auf die Stimulation. Ihr Nieren-Yang war jedoch auch am Abnehmen, sichtbar an dem langsamen Temperaturanstieg zum Eisprung und der Unfähigkeit, eine erhöhte Körpertemperatur für die dem Eisprung folgenden zwei Wochen beizubehalten (siehe Tab. 1). Der Temperaturabfall am 24. Tag (siehe Tab. 1) spiegelt einen Abfall des Progesteron-Spiegels, was einen Misserfolg bei der Einpflanzung nach sich ziehen kann, auch wenn eine Empfängnis vollzogen ist.
Eine erhöhte Temperatur und ein hoher Progesteron-Spiegel sind unbedingt notwendig, um ein gut ernährte und durchblutete Uterusschleimhaut aufrechtzuerhalten, in dem ein Embryo sich einpflanzen und wachsen kann, sollte es zu einer Empfängnis kommen.
Diese schädliche Auswirkung eines "kalten Uterus" ist in der chinesischen Medizin sehr bekannt und wird in der Literatur über chinesische Medizin breit diskutiert.
Interessanterweise entwickelte P., nachdem sie empfangen hatte, eine Menge Symptome einer Nieren-Yang-Leere wie z.B. ein starkes Kältegefühl am Abend für mehrere Stunden, ab und an Schmerzen im unteren Rücken und häufiges Wasserlassen.
Dies im Zusammenhang mit ihrer unstabilen Temperatur während der Gelbkörperphase führte mich dazu, in den ersten 16 Wochen ihrer Schwangerschaft eine starke Betonung auf die Unterstützung ihres Nieren-Yang zu legen, was den Progesteron-Spiegel aufrecht erhalten und das Risiko einer frühen Fehlgeburt senken würde. Nieren-Yang ist auch eine antreibende Kraft für die freie Zirkulation von Qi und Blut. In der Klinik ist es ein durchaus übliches Bild, dass ein Mangel an Nieren-Yang jede Qi und Blut-Stase verschlimmern kann. Bei einer Unterstützung des Nieren-Yang-Mangels mildern sich die Symptome dieser Stagnation.
P. zeigte klare Anzeichen und Symptome einer Qi- und Blut-Stase, die in ihrem Puls, den PMS-Symptomen, den Menstruationsschmerzen und den Blutklumpen zu sehen waren.
Sollte die Qi-Stase im Unterleib die Eileiter betreffen, würde sich die Passage einer Eizelle schwieriger gestalten und der Blutfluss zu den Ovarien und der Gebärmutter wäre behindert. Damit würden beide Funktionen weniger effizient ausgeführt. Ein verminderter Blutfluss zum Uterus ergibt daraufhin einen unregelmässigen und dünnen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut.

Behandlungsrichtlinien

Um P. am effektivsten zu behandeln, verfolgte ich zwei verschiedene Strategien, die sich am Stadium des Menstruationszyklus orientieren:

- Vom vierten bis zum 14. Tag des Menstruationszyklus lag meine Behandlungsstrategie darin, Leber- und Nieren-Yin zu nähren und das Blut zu kühlen und zu nähren.
 
- Vom 15. bis zum dritten Tag des Menstruationszyklus lag meine Behandlungsstrategie darin, das Blut und den Chong Mai zu regulieren und das Nieren-Yang zu wärmen.

Zudem bat ich P., zu monatlichen Untersuchungen in die Klinik zu kommen und unmittelbar vor dem Eisprung eine Akupunkturbehandlung zu erhalten (Akupunkturpunkte, die vor dem Eisprung angewendet werden: Lokale Punkte für Unterleib bzw. Eierstock: KG 04 | 关元 | guān yuán, Zigong (M-CA 18) und Wärmelampe. Distale Punkte, um die Leber zu regulieren und das Nieren-Yang zu stärken: Le 03 | 太冲 | tài chōng und Di 04 | 合谷 | hé gǔ, Ni 03 | 太溪 | tài xī.

Verschreibungen (in täglicher Dosis)

Postmenstruelles Rezept:
Um das Leber und Nieren-Yin zu nähren und das Blut zu kühlen und zu nähren. Gui Shao Di Huang Tang (Angelicae Paeonieae Rehmanniae Dekokt), modifiziert

Di Huang | 地黄 | Rehmanniae, Radix 12g
Shan Zhu Yu | 山茱萸 | Corni, Fructus  9g
Shan Yao | 山药 | Dioscoreae, Rhizoma  9g
Nü Zhen Zi (Jiu) | 酒女贞子 | Ligustri Lucidi, Fructus preparatus  9g
Mo Han Lian | 墨旱莲 | Ecliptae, Herba 12g
Bai Shao | 白芍 | Paeoniae, Radix alba  9g
Dang Gui | 当归 | Angelicae Sinensis, Radix  9g
Mu Dan Pi | 牡丹皮 | Moutan, Cortex  9g
Fu Ling | 茯苓 | Poria  9g
Ze Xie | 泽泻 | Alismatis, Rhizoma  9g
Gan Cao (Zhi) | 炙甘草 | Glycyrrhizae Radix Praeparata  4g

Postovulatorisches Rezept:
Um das Blut und den Chong Mai zu regulieren und das Nieren-Yang zu wärmen.

Dang Gui | 当归 | Angelicae Sinensis, Radix  9g
Bai Shao | 白芍 | Paeoniae, Radix alba  9g
Chi Shao Yao | 赤芍 | Paeoniae Radix Rubrus  9g
Dan Shen | 丹参 | Salviae Miltiorrhizae, Radix et Rhizoma  9g
Yi Mu Cao | 益母草 | Leonuri, Herba  9g
Tu Si Zi | 菟丝子 | Cuscutae, Semen 18g
Ba Ji Tian | 巴戟天 | Morindae Officinalis, Radix 12g
Rou Gui | 肉桂 | Cinnamomi, Cortex  9g
Yin Yang Huo | 淫羊藿 | Epimedii, Herba 12g
Gan Cao (Zhi) | 炙甘草 | Glycyrrhizae Radix Praeparata  4g

Abwandlungen

Postmenstruelles Rezept: Um die labile Follikelphase (was Hitze anzeigt) mehr zu glätten, fügte ich nach dem zweiten Behandlungsmonat weitere Qi und Blut kühlende Kräuter hinzu und wechselte zwischen:

Zhi Zi | 栀子 | Gardeniae, Fructus  9g
Zhi Mu | 知母 | Anemarrhenae, Rhizoma 12g
Mai (Men) Dong | 麦冬 | Ophiopogonis, Radix  9g
Chi Shao Yao | 赤芍 | Paeoniae Radix Rubrus  9g

Postovulatorisches Rezept: Nachdem ich drei Monate behandelt hatte, entschied ich mich, die Yang-Tonika zu erhöhen, um die Gelbkörperphase noch mehr anzuheben und zu stabilisieren und zudem den Blutfluss zu verbessern. Folgende Kräuter fügte ich hinzu:

Xu Duan | 续断 | Dipsaci, Radix 12g
Chuan Xiong | 川芎 | Ligustici Wallichii, Rhizoma  6g

Postkonzeptives Rezept: Um das Nieren-Yang zu stärken und zu wärmen und das Qi zu heben: Shou Tai Wan (Langlebigkeitspille für den Fetus), modifiziert.

Tu Si Zi | 菟丝子 | Cuscutae, Semen 24g
Xu Duan | 续断 | Dipsaci, Radix  9g
Sang Ji Sheng | 桑寄生 | Taxilli, Herba  9g
Du Zhong | 杜仲 | Eucommiae, Cortex  9g
Di Huang (Shu) | 熟地黄 | Rehmanniae, Radix preparata 12g
Gou Qi Zi | 枸杞子 | Lycii, Fructus  9g
Dang Shen | 党参 | Codonopsis, Radix  9g
Bai Zhu | 白术 | Atractylodis Macrocephalae, Rhizoma 12g
Huang Qi | 黄芪 | Astragali, Radix 18g
Da Zao | 大枣 | Jujubae, Fructus  4g
Sha Ren | 砂仁 | Amomi, Fructus  4g
Gan Cao | 甘草 | Glycyrrhizae, Radix  4g

Klinische Beobachtungen unter der Behandlung

Allgemeine klinische Massstäbe, die von Praktizierenden der Chinesischen Medizin Verwendung finden, um Verbesserungen in den Funktionen der Eileiter und der Gebärmutter wahrzunehmen, sind a) die Länge des Menstruationszyklus, b) die Aufzeichnungen zur basalen Körpertemperatur und c) die Ausprägungen der Menstruation.
Während die Länge des Menstruationszyklus von P. schon vor Einnahme der Kräuter gut war, beobachtete ich eine Verbesserung der anderen beiden Parameter (Aufzeichnungen zur basalen Körpertemperatur und die Ausprägungen der Menstruation) von Beginn der Behandlung an. Diese reichte aus, dass P. nach fünfmonatiger Behandlung schwanger wurde. Im Hinblick auf ihr vorliegendes Muster zeigte sie eine Verbesserung ihrer Nierenfunktion (sowohl Yin als auch Yang) mit einem Nachlassen der Blut-Hitze und der Qi- und Blut-Stase.

Änderungen in den Werten der basalen Körpertemperatur

Vor Beginn der Behandlung zeigten die Aufzeichnungen von P. eine labile Follikel und Gelbkörperphase (siehe Tab. 1). Charakteristische tägliche Temperaturschwankungen (Spitzen und Tiefen) von mehr als 0,2 bis 0,3 °C zeigen solch eine Instabilität der Follikel und Gelbkörperphasen an, was auf eine mangelnde Funktion der Eileiter hindeutet. Zu meiner Überraschung verbesserten sich die Werte von P. bereits vom ersten Monat der Kräutereinnahme an. Nach zweimonatiger Behandlung hatten sich ihre Werte gut stabilisiert. Dies betraf im Besonderen die Follikelphase(Yin-Phase), um die ich besorgt war, da sie die Qualität der Follikelreifung spiegelt. Während und kurz nach der Ovulation war der Temperaturanstieg jedoch immer noch verlangsamt, was eine schwächere Gelbkörperphase (Yang-Phase) anzeigte. Immerhin blieb ihre Temperatur bis zum Beginn der nächsten Periode erhöht, nachdem sie um den 19. Tag herum angestiegen war (siehe Tab. 2),was eine wesentliche Grundlage für die Einpflanzung im Falle einer Empfängnis darstellt (siehe oben). Das gleiche Muster zeigte sich auf der folgenden Karte (siehe Tab. 3), dieses Mal jedoch blieb ihre Temperatur über den 30. Tag hinaus erhöht, was erkennen liess, dass P. schwanger war.

Änderungen in den Ausprägungen der Menstruation

Wiederum reagierte P. gut auf die Kräuter, indem sie wesentlich weniger prämenstruelle Spannungen und Schmerzen von der zweiten Menstruation an nach Behandlungsbeginn aufwies. Ihre Menstruation dauerte zudem nur vier statt sieben Tage und hatte einen sehr reduzierten Blutfluss.

Fertilitätszeichen nach fünfmonatiger Behandlung

- Tabelle der basalen Körpertemperatur: gefestigte Follikeiphase (Yin-Phase); gefestigte Gelbkörperphase vom 19. Tag an; Temperaturkurve, die markanter und zweiphasiger verläuft. Nachgelassene PMS-Symptome. Wesentlich mildere Dysmenorrhoe und verminderte Regelblutung.

Erörterung

Wenn Frauen älter werden, lassen sowohl die Funktionen ihrer Eileiter als auch die Qualität der Eizellen nach. Während nichts daran geändert werden kann, die genetische Struktur einer Eizelle zu verbessern, kann man die Umgebung, in der eine Eizelle heranreift, stärken und somit die reproduktive Arbeitsweise optimieren. Wing und Sedimeier (2006) haben in ihren Untersuchungen herausgefunden, dass sich die Fertilitätszeichen bei älteren genauso wie bei jüngeren Frauen verbesserten, wenn chinesische Kräutermedizin angewendet wurde. Dies zeigt, welche Rolle die Chinesische Medizin spielen könnte, um die Fruchtbarkeit älterer Frauen zu stärken.
Wing und Sedlmeier (2006) veranschaulichten weiterhin, wie chinesische Kräutermedizin die Reifung des dominanten Follikels verbessern konnte. Ein reifer Follikel erhöht die Chancen, eine reife Eizelle zu beinhalten und eine bessere Beschaffenheit des Embryos zu erzeugen. Chinesische Kräutermedizin erreicht durch direkte Stimulation der Eileiter und durch einen gesteigerten arteriellen Blutfluss in der Gebärmutter, was wiederum die Durchblutung der Eileiter unterstützt, eine Reifung der Follikel.
Direkt nach der Empfängnis und für die anschliessenden 12 bis 16 Wochen können chinesische Kräuter angewendet werden, um die Gelbkörperfunktion zu unterstützen und die Schwangerschaft zu erhalten. Untersuchungen aus China und von Wing und Sedlmeier (2006) legen dar, wie eine Behandlung mit chinesischen Kräutern die Geibkörperfunktion verbessert. Wing und Sedlmeier wiesen einen grösseren Gelbkörper und eine erhöhte Durchblutung (Vaskularität) nach.
Schwächen in der Gelbkörperphase sind einer der Gründe für eine Fehlgeburt oder wiederholte Fehlgeburten. Dieser Aspekt ist in der Behandlung von Frauen, die eine Schwäche in der Gelbkörperphase im Kurvenverlauf ihrer basalen Körpertemperatur oder durch Bluttests zeigen, besonders wichtig, um das Risiko einer Fehlgeburt zu verkleinern. Diese Unterstützung hat in den ersten zehn bis zwölf Schwangerschaftswochen einen besonders hohen Stellenwert, wenn das gesamte Progesteron von den Ovarien bzw. dem Corpus Luteum kommt, bevor nach etwa drei Monaten die Plazenta diese Aufgabe vollständig übernimmt.


 
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