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Streit um Komplementärmedizin in der Schweiz
Bundesrat zweifelt an Wirksamkeit / Volksinitiative für Aufnahme in den Grund-Leistungskatalog

BERN (ine). Leistungen der Komplementärmedizin werden künftig nicht mehr von der Schweizer Grundkrankenversicherung bezahlt, wenn es nach dem Willen des Bundesrates geht. Der Rat hat dem Parlament vorgeschlagen, eine entsprechende Initiative abzulehnen.

Bundesrat Pascal Couchepin hatte 2005 nach einer fünfjährigen Versuchsphase die Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin sowie die Phyto- und Neuraltherapie in die Zusatzversicherung verbannt. Grund: Für diese Methoden sei der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit nicht erbracht. Nur die Akupunktur blieb im Katalog der Grund-Krankenpflegeversicherung.

Zum Vergleich: Auch in Deutschland zahlen die gesetzlichen Kassen nur eingeschränkt Therapien aus der Komplementärmedizin - etwa Akupunktur bei Patienten mit Rückenschmerzen und Gonarthrose. Allerdings bieten immer mehr Kassen über Integrationsverträge alternative Heilmethoden an.

In der Schweiz hat die Initiative "Ja zur Komplementärmedizin" bereits über 140 000 Unterschriften gesammelt. Unter anderem soll die Komplementärmedizin stärker in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten verankert werden. Der Bundesrat sieht darin keine Notwendigkeit. In der Schweiz böten 1800 der 18 000 Praxisärzte komplementärmedizinische Heilmethoden an. Diese Ärzte seien alle Schulmediziner mit Zusatzausbildung.

Eine Ausweitung des Leistungskataloges führe für die Krankenversicherung sowie für Bund und Kantonen zu Kostensteigerungen. Ob die Verfassung nach dem Willen der Initiative ergänzt wird, muss das Parlament entscheiden. Sicher ist: Die Streichung der komplementärmedizinischen Leistungen ist die erste Kürzung des Leistungskataloges. Weitere dürften folgen. Im Visier sind nach Berichten der "Neuen Züricher Zeitung" unter anderem Generika und neu eingeführte Arzneien.

Ärzte Zeitung, 12.09.2006

 
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